Gefittet im COE: Tschüss stiffe Stahlschäfte! - golfen.cc
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Gefittet im COE: Tschüss stiffe Stahlschäfte!

Im Labor des TaylorMade Center of Excellence: Eine Vielzahl von Kameras ermittelt die Daten für einen 3-D-Animation.

Auf meinem Heimatplatz kenne ich jede Entfernung, jeden Entfernungsmarker. Im Urlaub oder auf fremden Plätzen habe ich eine GPS-Uhr und für alle Wechselfälle des Golflebens einen Laser-Entfernungsmesser. Kurzum: Ich bin bestens ausgerüstet. Dennoch aber will es mit den Entfernung nicht so recht klappen. Die meisten Schläge sind zu kurz, selten zu lang, meist auch aus der Richtung. Ein typischer Fall für den Golf-Pro?

Ja und nein! Ja, weil ein Gang zum Pro nie schadet und Fehler nicht dadurch besser werden, dass sie oft wiederholt werden. Nein, weil ein Pro alleine noch keine Hilfe für alle Probleme beim Golf ist. Beispielsweise sind meine Eisen aus einer Zeit, in der ich noch keinen doppelten Meniskusriss mit mir herumschleppte, von einigen Jahren und Kilos mehr ganz zu schweigen. Stiffe Stahlschäfte waren – ganz ehrlich – für mich nie der richtige Umgang. Dennoch dachte ich einst, ihnen irgendwie gerecht werden zu können. Eine Hoffnung, die mit den Jahren immer unrealistischer wurde.

Das TaylorMade Center of Excellence (COE), angesiedelt im Golfclub Herzogenaurach in Mittelfranken, ist eine Pilgerstätte für alle Verzweifelten oder solche Golfer, die es (golferisch) noch zu etwas bringen wollen. Ich gehöre zur ersteren Gruppe. Ein großer Checkup oder MAT-T, wie es beim COE genannt wird, dauert zwei Stunden und kostet 200 Euro. Ein Betrag, der mehr als gut angelegt ist, denn zwei Stunden lang durchläuft der Golfer alle Stationen wie bei einem gründlichen ärztlichen Check – nur eben in Sachen Golf-Krankheiten.

Hochleistungskameras erfassen jeden Fehler

Zwei kleine Sensoren am Basecap verraten Kopfbewegungen.

Zwei kleine Sensoren am Basecap verraten Kopfbewegungen.

Schauplatz ist das MAT-T-Labor im ersten Stock des COE-Gebäudes, ein gut 80 Quadratmeter großer, gut vier Meter hoher und abgedunkelter Raum. An allen Ecken des Raums Highspeed-Kameras und an der Stirnwand eine dämpfende Stoffwand, auf die Bälle geschlagen werden. Dazu jede Menge Computer, der Fitter und ich. Mit Sensoren an meinen Füssen, Knie, Hüften, Armen und Schultern und Kopf wird eine 3-D-Animation des eigenen Amateurschwungs erstellt. Ich schlage ein mit Sensoren bestücktes Eisen. Ich, der Proband steht dazu auf einer Spezialmatte, gespickt mit Drucksensoren. Hinterher dann der Vergleich mit einem Profi, ausgewertet durch den Fitter – in meinem Fall Julian Wuttke – bringt so manches Problem, das mit freiem Auge kaum sichtbar, mit den nackten Zahlen aber beweisbar ist. Gewichtsverlagerung beim Ansprechen, im Schwung, im Moment des Schlages, Schulterdrehung, Neigung, Schwungebene.

Julian Wittke zeigt und analysiert die gewonnen Werte.

Julian Wittke zeigt und analysiert die gewonnen Werte.

Es gibt keine auch noch so kleine messbare Größe, die der Computer und seine Hochleistungskameras nicht erfassen würde. Fitter Julian Wuttke, der auch Teaching-Pro ist, wird bei der Auswertung der Bilder und Daten so manchen Tipp los, der mir die bohrenden Fragen nach fehlender Länge, ungenauen Schlägen und Schmerzen beantwortet. Ja, auch Schmerzen, denn Fehlstellungen der Handgelenke, mangelnde Balance werden vom Spieler kompensiert – nicht immer tun diese dem Körper gut.

Putten? Geht ganz gut

Putten - jede Bewegung wird beobachtet.

Putten – jede Bewegung wird beobachtet.

Zweiter Teil im Labor: Putten. Ja, auch beim Putten gibt es Fehlhaltungen und Schwungfehler, die sich auf die Qualität des Putts auswirken. In meinem Fall nur minimal, denn das Ergebnis, viele gelochte Bälle aus gut vier Meter Entfernung war gut und die vorausgehenden Fehler vorhanden, aber eben nicht dramatisch. Die wichtigste Erkenntnis: es gibt Alternativen zum eigenen Putter und auch die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wenn es einen Ansprechfehler bei mit gibt, dann liegt er darin, dass die Puttersohle nicht plan auf dem Boden aufliegt. 3 Grad biegen auf der Richtbank, dann passt auch der Putter. Kurz: Das Datenmaterial, das es nach der Sitzung per Email nach Hause gibt, wird in Zukunft der Fahrplan für mich und meinen Heimatpro. Versprochen!

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Trackman mißt Carry und Roll auf den Zentimeter

Nächster Teil des Fittings: Der Launch Monitor. Ein Dopplerradar, in Golfkreisen auch als Trackman bekannt, misst in einer Abschlagbox im Erdgeschoss des COE jeden Schlag in Weite, Höhe, Geschwindigkeit und Abweichung. Die unbarmherzigen Zahlen von Carry und Roll offenbaren alle Daten auf den Zentimeter genau. Vorbei die vage Hoffnung: Mein Eisen 7 bringt den Ball auf 140 Meter. Pustekuchen – das war zehn Jahre zuvor! Anno 2016 sind es nur schlappe 117 Meter. Und die Abweichung bei zehn geschlagenen Bällen ist beträchtlich!

 

 

Aus Dutzenden Schäften und Köpfen: Die Schlägerempfehlung

Woraus besteht aber nun das Fitting? Bisher wurden nur die Daten gemessen, die mit dem eigenen Schlägern produziert wurden. Julian Wuttke, der inzwischen alle Daten aus dem MAT-T-Labor und die Computerdaten des Trackman vorliegen hat, schraubt aus einer Vielzahl von Schäften, es sind mehr als zwei Dutzend Variationen unterschiedlicher Härte und Materials, und aus den aktuellen Schlägerköpfen eine Schlägerempfehlung zusammen. Mit diesem individualisierten Eisen schlage ich dann die nächsten Bälle. Trackman und Computer tun im Hintergrund ihre Arbeit.

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Fitter Julian Wuttke misst die Schaftlänge.

Fitter Julian Wuttke misst die Schaftlänge.

Nach einer Serie von einem Dutzend Bällen dann das Ergebnis. Die Schläge flogen gut zehn Prozent weiter als mit meinem eigenen Referenzschläger. Sie liegen dichter beieinander und mein subjektives Schlaggefühl war wesentlich angenehmer. Zu meinem Entsetzen ist der verwendete Schaft ein weicher Seniorenschaft aus Karbon. Tschüss stiffe Stahlschäfte! Der Kopf aus der neusten Produktion von TaylorMade: Das M2-Eisen. Viele Versuche mit unterschiedlichen Schäften und zwei Körbe Rangebälle später liegt das Ergebnis vor: Pro und Fitter Wuttke hat „meinen“ Eisensatz herausgefunden. Es ist definitiv der Senioren M-Schaft aus Karbon in Kombination mit dem M2-Eisen. Am Ende noch ein passender Griff: Halbcord mit rutschfester Oberfläche, weil ich immer ohne Handschuhe spiele.

Kein Handlungsbedarf bei Hölzern

Teil zwei am Trackman ist den Hölzer gewidmet. Auch hier werden nach den Daten aus dem Labor und meinen Referenzschlägen mit den eigenen Rescues, Fairwaywoods und Driver jetzt neue Schlaggeräte aus passenden Schäften und Köpfen aus der M2-Serie zusammengeschraubt. Ergebnis hier: Kein Gewinn an Länge und Genauigkeit. Die Ursache dafür ist in meiner produzierten Kopfgeschwindigkeit zu suchen. Ich kann das neue Material nicht in ähnlicher Weise nützen wie bei den Eisen: Die Empfehlung des Pro-Fitters: Spiel Deinen TylorMade RBZ-Hölzersatz weiter!

Die angeschlossene Produktionsabteilung bekommt den Auftrag einen Satz Eisen von 4 bis Sandwedge aus den Komponenten herzustellen, die für mich, meinen Schwung, meine Maße und mein Vermögen angemessen sind. A propos Vermögen: Der Eisensatz kostet nicht mehr als im Fachgeschäft oder Proshop. Nur die zwei Doppelstunden im MAT-T mit Pro-Tipps und unbestechlichem Zahlenmaterial kosten 200 Euro extra. In wenigen Tagen bekomme ich Post aus Herzogenaurach und ich kann mit meinen neuen Eisen und auf die Runde gehen – und zum Pro.

taylormadegolfcoe.de

Bernd Stegmaier

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