Kalifornien: Monterey – Touristen statt Sardinen - golfen.cc

Kalifornien: Monterey – Touristen statt Sardinen

Monterey
In der Cannery Row von Monterey zeugen immer noch die Firmennamen von der Sardinen-Historie, Foto: C. Bruckner
Im Steinbeck-Museum von Salinas.

Im Steinbeck-Museum von Salinas.

Die “Straße der Ölsardinen” war einmal für einen Ort an der Pazifikküste Kaliforniens lebenswichtig. Dieser alljährliche Zug der kleinen, schmackhaften Fische entlang der Küste brachte dem kalifornischen Fischerdorf Monterey Arbeit, Wohlstand und Weltruf. Weltruf deswegen, weil ein Journalist und Autor aus dem nahen Kreisstädtchen Salinas das Leben, das Hoffen und Arbeiten in Monterrey zu Papier brachte und der Bestseller „Die Straße der Ölsardinen“ (Cannery Row) zur Weltliteratur wurde. John Steinbeck, Sohn deutschstämmiger Eltern, bekam für ein anderes Buch „Die Früchte des Zorns“ übrigens 1962 den Literaturnobelpreis. Seinem Leben und seinen Werken ist ein beachtenswertes Museum im Zentrum von Salinas gewidmet.

John Steinbecks Werke im Foyer des Steinbeck-Museums. Foto: CB

John Steinbecks Werke im Foyer des Steinbeck-Museums. Foto: CB

Unnötig zu erwähnen, dass Hollywood aus beiden Büchern in den 60er Jahren echte Blockbuster machte. Heute fallen beim Spaziergang durch die Cannery Row, die Hauptstraße von Monterey am Wasser entlang, die vielen restaurierten Firmennamen auf, die an Übergängen über die Straße von der Geschichte der Häuser als Dosenfabriken, die „Cannerys“, erzählen. Natürlich ist der einstige Reichtum des Meers heute längst Geschichte. Die Sardinen haben sich andere Wasserstraßen gesucht und die Fabriken sind längst bankrott. Aufgrund der Lage am Pazifik und auch ein bisschen wegen des Durchsetzungsvermögens der einstigen Arbeiter, geht es Monterey heute besser denn je.

Touristen statt Sardinen

Dort, wo früher direkt am Meer Sardinenfabriken lagen, haben sich heute gute bis sehr gute Hotels angesiedelt. Statt Sardinen bringen heute Touristen das Geld in den Ort. John Steinbeck, der große Erzähler der amerikanischen und kalifornischen Geschichte, der sozialen Missstände und menschlichen Dramen, ist immer mit von der Partie. Seine Statue an der Cannery Row wird von jungen Leuten als Fotokulisse genutzt. Wer weiß, ob einer der Facebook-Generation in seinen Bücher gelesen hat oder im Steinbeck-Museum von Salinas war?

Jahrzehnte nach dem Niedergang der Sardinenindustrie sind die Grundmauern der alten Fabriken zu erkennen. Fo to: C. Bruckner

Jahrzehnte nach dem Niedergang der Sardinenindustrie sind die Grundmauern der alten Fabriken zu erkennen. Fo
to: C. Bruckner

Es wird jedoch dem Städtchen Monterey nicht gerecht, es nur auf seine Vergangenheit zu reduzieren. Im Plaza Hotel an der Cannery Row, auf dessen Terrassen sowie südlich davon tobt das Leben. Ab dem Nachmittag erwachen die Touristen und strömen in die vielen Restaurants, die sich entlang des Küstenwegs aneinanderreihen. Von der Irischen Bierbar, über vegetarische Restaurants bis hin zur lässigen Lounge ist hier alles zu finden. Wer vor dem Drink noch etwas Naturwissenschaft haben möchte: Bitteschön. Das Monterey Aquarium zählt zu den größten der Region. Oder darf es etwas Romantik sein? Dann nichts wie zum Lover’s Point. Dem Ende des Ortes Monterey, wo er dann schon fast in die Nachbargemeinde Pacific Grove übergeht.

Auffällig viele Golfspieler

Das weltberühmte Klippenloch von Pebble Beach (Loch 7).

Das weltberühmte Klippenloch von Pebble Beach (Loch 7).

Auffällig viele Touristen reisen mit Golfgepäck in den Hotels von Monterey an. Das hat mit zu tun, dass südlich sich die Halbinsel von Carmel by the Sea und damit die größte Golfplatzdichte der Welt an hochpreisigen Golfplätzen befindet. Pebble Beach, Spyglass Hills und The Links at Spanish Bay sind nur einige der Namen, bei den Golfer mit der Zunge schnalzen. Keiner der Plätze nimmt unter 250, Pebble an die 500 Dollar Greenfee. Im Ort selber findet sich der Del Monte Golf Course, der direkt am Hyatt liegt und ein guter amerikanischer Parklandcourse ist. Mehr aber auch nicht. Die dürren Stellen auf den Fairways sollen der Vergangenheit angehören, wenn Anfang 2017 die neuen Quellen unter dem Platz erschlossen sind, nach denen derzeit gebohrt wird. Klippen sucht man auf der Carmel Halbinsel oder weiter nördlich in Half Moon Bay.

Salinas ist übrigens nicht nur Heimat von John Steinbeck, sondern die „salad bowl“, die Salatschüssel, Amerikas. Endlose Felder mit Gemüse und Salat, an den Hügeln auch Weinberge sind die Stärken der heutigen Region. Am Wegesrand – ganz unamerikanisch – verkaufen fliegende Händler Orangen und Gemüse.

Tagelöhner kommen aus Mexiko

Thailand statt Kalifornien.

Thailand statt Kalifornien.

Das Hotel Monterey Plaza ist im Katalog von Dertour "Nordamerika" zu finden.

Das Hotel Monterey Plaza ist im Katalog von Dertour “Nordamerika” zu finden.

Und wer genau hinschaut, findet sie auch heute noch, die Tagelöhner und Saisonarbeiter, deren Geschichte John Steinbeck erzählte und deren soziale Mißstände anprangerte. Nur kommen sie heute aus Mexiko, begehren nicht auf und stehen mit einem Bein im Gefängnis, weil die meisten von ihnen nicht legal ins Land kamen und auch Jahre danach immer noch keine Aufenthaltserlaubnis besitzen. Unter einem Präsidenten Trump eine Zeitbombe. Und noch eins: Wer heute Ölsardinen in der Dose erstehen will, findet im örtlichen Supermarkt eine kleine Auswahl aus Thailand.

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